Leseprobe

Super-Woman

Buchcover Wenn man erst mal über 40 ist, fällt das Erinnern schon nicht mehr ganz so leicht. Wie war das noch damals, 2002, als gerade erst der Euro eingeführt war? Voller Tatendrang und noch frisch an Geist und Körper bewarben wir uns um das schöne Objekt. Auf Herz und Nieren, auf Finanzen, Moral und Familiengeschichte überprüft, wurden wir schließlich für würdig befunden, das (von allen guten Geistern) verlassene Schlösschen mit neuem Leben zu füllen. Blauäugig in Zeiten sich abzeichnender Wirtschaftskrisen und Einbrüchen vor allem in der Gastronomie bildeten wir uns ein, alles besser zu machen. Doch die ersten Steine lagen uns schon im Weg, bevor wir noch einen Fuß ins Schloss gesetzt hatten.
Der Beschluss, uns ins Schloss zu holen, wurde um den 10., 12. Oktober herum gefasst. Maßgabe: Ihr fangt am 1. November an oder wir können euch nicht mehr leiden. Ganze drei Wochen Zeit, einen Hotel- und Restaurantbetrieb aus dem Boden zu stampfen und im Idealfall auch sofort erfolgreich zu betreiben! Naja, wir waren durch verschiedene Etablissements und verschiedentlich auch durch die Hölle gegangen und trauten uns das Unmögliche zu. So ganz nebenbei war unsere alte gastliche Stätte in der schönen Nachbargemeinde noch offen bis zum vorletzten des Oktobers und der private Umzug eines Vier-Personen-Haushalts mit zwei Katzen ebenso abzuwickeln. Ein Fall für Super-Woman!
Während das Chaos um mich herum in unserem Haus stetig größer wurde, verhandelte ich parallel mit Weinhändler und Bierlieferant, mit ganz besonders wichtigen Leuten, die bereits erste Reservierungen tätigen wollten, erstellte mit der linken Hand die neue Speisekarte, streichelte mit rechts die Katze und mit der dritten Hand unterschrieb ich Verträge. Und wenn ich damit fertig war, kümmerte ich mich um meinen Job und packte unser bisheriges Leben in Kisten.