Das Schloss

Gederns baugeschichtliche Entwicklung lässt sich bis in das Mittelalter zurück verfolgen. Bereits im Jahr 780 wird Gedern anlässlich einer Schenkung an das Kloster Lorsch erwähnt. Im 13. Jahrhundert werden die Herren von Büdingen als Lehensbesitzer genannt, im 14. Jahrhundert erhielt Gedern Stadt- und Marktrechte durch Kaiser Karl IV. Spätestens seit dieser Zeit wird an dem heutigen Standort des Gederner Schlosses eine Befestigungsanlage als Ausgangspunkt der Stadtentwicklung Gederns vermutet.
Eine Urkunde aus dem Jahr 1255 benennt einen Wolfram von Gaudern (Gedern) als Zeugen. Daher wird das Schloss Gedern auch heute noch im Volksmund "Wolframsburg" genannt. Die Bausubstanz des Schlosses lässt den Schluss zu, dass es in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden ist. Von Eberhard von Breunberg über die Geschlechter der Trimberger, Eppsteiner und Königsteiner wechselten die Eigentümer, bis das Schloss 1535 von den Stolbergern übernommen wurde.

Graf Ludwig Christian nahm 1677 seinen Wohnsitz im Gederner Schloss und begann mit Um- und Ausbauten. Dazu gehörten auch eine Kellerei, Brauerei, Getreideböden, Gärtnerei, Gartenlusthaus, Orangenhaus und eine Schmiede. Unter dem Stolberger Friedrich Carl, der vom deutschen Kaiser das Fürstendiplom erhielt, wurde das Rentamt fertig gestellt und die Außenmauern des Schlossbaues in ihren Abmessungen verdoppelt.
Mit dem Tod seines Enkels Cal Heinrich im Jahr 1804 fällt das Schloss an das gräfliche Haus Stolberg-Wernigerode zurück. Der später unter Bismarck tätige deutsche Vizekanzler Otto Graf zu Stolberg-Wernigerode wurde 1837 im Gederner Schloss geboren. An ihn erinnert ein Gedenkstein, der im Schlosspark steht.
1930 bis 1945 war das Gederner Schloss an den Reichsarbeitsdienst verpachtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es lange Jahre als Unterkunft für Vertriebene aus dem Osten. Vor einigen Jahren verkaufte der Fürst Christian Henrich zu Stolberg-Wernigerorde das Schloss an die Stadt Gedern.
Das Gederner Schloss wurde anschließend mit erheblichen Mitteln renoviert und restauriert. Seit Mitte 1997 sind hier die Gederner Stadtverwaltung und eine Anwaltskanzlei untergebracht. Mit unserem Hotel, dem Restaurant und dem Gewölbekeller bietet das Schloss Platz für Reise- und Unternehmungslustige.

In seiner jetzigen, insgesamt zwar schmucklosen, jedoch wohlproportionierten Gestalt besteht das Schlossgebäude aus einem Hauptbau (auch Renaissancebau genannt) und dem Barockbau (auch Prinzessbau oder neuer Bau genannt) mit dazwischenliegendem Mitteltrakt als Bindeglied. Als Nebengebäude sind das östlich des Hauptgebäudes gelegene Rentamt, datiert 1710, und das Marstall-Gebäude mit Torbogen zu nennen. Der Marstall trägt einen Schlussstein mit der Jahreszahl 1605 beziehungsweise 1609. Außerdem gibt es noch eine südlich gelegene Remise.
Alte Fundamente im Bereich der Remise lassen auf einen ehemals größeren Vorgängerbau schließen. Die Ergebnisse der durchgeführten Bauforschung, der restauratorischen Untersuchungen sowie der Archivarbeit belegen, dass es am Schloss Gedern mehrere Umbau- beziehungsweise Anbauphasen gegeben hat. Sicher zu datieren sind der Bau des Treppenturms an der Nord-Ost-Ecke des Mitteltraktes von 1706 und der Anbau des Treppenhauses mt barocker Holztreppe von 1730 in Form eines Mittelrisaliten am Hauptbau. Der Anbau des Treppenhauses ist der barocken Umbauphase zuzuordnen, in der das Hauptgebäude auf einheitliche vier Geschosse erhöht wurde sowie die Fensterlaibungen auf heutige Größe verändert wurden. An der Südfassade des Renaissancebaus sind noch Reste der usrprünglichen Fenstergewände erkennbar. Aufgrund seiner geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung ist das Schloss Gedern als Gesamtanlage mit Haupt- und Nebengebäuden sowie der Parkanlage als Kulturerbe eingestuft.